Auf einem weißen Untergrund liegen verschiedene Pflanzen, Pulver und Schälchen – die Inhaltsstoffe von Kosmetik?
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Inhaltsstoffe der Kosmetik: Schönmacher oder Horrorzutaten?

Sie sollen unsere Haut pflegen und mit Feuchtigkeit versorgen, strahlen lassen und Falten beseitigen: die Inhaltsstoffe der Kosmetik. Aber halten sie wirklich ihre Versprechen? Oder sind sie vielleicht sogar schädlich? Gerade Parabene, Silikone und Co. haben einen schlechten Ruf! Wir verraten, was wirklich dahinter steckt!

Was sind INCIs?

Ähnlich wie bei Nahrungsmitteln findet man auch bei Kosmetikprodukten auf der Rückseite (oft in winzig kleiner Schrift und in nahezu unverständlichen Begriffen) die verwendeten Inhaltsstoffe unter dem Kürzel INCI (INCI vom engl. International Nomenclature of Cosmetic Ingredients) aufgelistet. Diese offene Deklaration ist seit 1997 in der EU gesetzlich vorgeschrieben und folgt einheitlichen Regeln.

  1. Was prozentual am meisten im Produkt vorhanden ist, steht auch als erstes in der Liste. Alle anderen Stoffe folgen dieser Reihenfolge nach Gewicht, bis zu einem Prozentsatz von 1%.
  2. Alle Stoffe, die weniger als 1% enthalten sind, müssen zwar erwähnt werden, können aber am Ende der Liste unsortiert erscheinen.
  3. Ebenfalls am Ende der INCIs finden sich die Farbstoffe. Sie werden mit der jeweiligen CI-Nummern (CI = Colour-Index) angegeben, ohne weiter sortiert sein zu müssen.
  4. Um die Rezeptur des Produktes zu schützen, ist es legitim, für bestimmte Zusätze eine besondere Vertraulichkeit zu beantragen. Diese Stoffe erscheinen dann in Form eines siebenstelligen Codes, zum Beispiel 600277D oder ILN5643.

Allgemein sagt die Regelung zudem aus, dass alle Bestandteile entweder auf Englisch oder auf Latein (insbesondere botanische Namen) aufgelistet werden müssen. Wer als Unternehmen ein gutes Vertrauensverhältnis zu seinen Kunden aufbauen möchte, kann freiwillig noch eine Übersetzung in die jeweilige Landessprache angeben. Davon sehen viele jedoch ab – schon um Platz auf der Verpackung zu sparen und so weniger Müll zu produzieren, wie es heißt.

Problemkinder in der Kosmetik

So oder so – alles, was in der Creme, dem Gel oder der Lotion steckt, muss für den Kunden erkennbar sein, damit dieser eventuell für ihn problematische Stoffe meiden kann. Tatsächlich gibt es davon inzwischen einige. Sie wurden zwar lange Zeit verwendet und sollen auch in den Mengen einzeln betrachtet nicht weiter schädlich sein. Aber man benutzt ja viele Kosmetik-Produkte täglich und darum fürchten viele den sogenannten “Cocktail-Effekt”. Welche Inhaltsstoffe sollte man also besser meiden?

Parabene

Um möglichst lange Freude an den Produkten zu haben, braucht es etwas, was Keime, Bakterien und Pilze beim Wachsen behindert. Das sind für gewöhnlich Konservierungsstoffe. Sie sorgen für ein Mehr an Haltbarkeit. Parabene sind eine Art dieser Stoffe, welche aber seit einigen Jahren in der Kritik stehen. In der INCI-Liste erkennt man sie recht gut, da sie immer auf “-paraben” enden: Methylparaben, Ethylparaben, Propylparaben, Butylparaben.

Vorgeworfen wird den Parabenen, dass sie zum einen eine allergene Wirkung haben sollen und u.U. sogar krebserregend sein könnten. Dies ist allerdings noch nicht ganz nachgewiesen. Hingegen fast sicher ist die Ähnlichkeit der Parabene zu dem weiblichen Sexualhormon Östrogen. Die Vermutung liegt nahe, dass Parabene daher den Hormonhaushalt durcheinanderbringen können.

Daher sollte, wer sich in dieser Sache nicht sicher ist oder eine sehr empfindliche Haut hat, Parabene meiden. Es gibt inzwischen auch Produkte, die durch eine andere Formulierung (viel weniger Wasser) oder eine clevere Verpackung (sterile Verschlüsse) eine Verkeimung verhindern können. Der Konservierungsstoff Phenoxyethanol gilt zudem als verträglicherer Ersatz. Hingegen sollte man von Produkten mit Methylisothiazolinon (MI) als Konservierungsstoff wirklich die Finger lassen. Hier ist das Allergierisiko nämlich 5x so hoch wie bei Parabenen.

Sulfate

Wenn es so richtig schön schäumt, dann hat man doch eigentlich erst das Gefühl, dass es sauber wird. Darum werden z.B. auch Sulfate in Kosmetikprodukte hinzugefügt. Diese Salze der Schwefelsäure wirken tatsächlich als eine Art Fettlöser und haben eine starke Reinigungswirkung.

Der Nachteil davon: Sie greifen auch die hauteigene Schutzschicht an, schwächen diese und können zu Irritationen führen. Besser ist es daher für empfindliche und trockene Hauttypen zu Kokos- oder Zuckertensiden zu greifen. Diese reinigen genauso gut, schäumen allerdings nicht ganz so stark. Auch Baby-Produkte sind eine milde Alternative. Wer eine normale bis fettige Haut hat, muss nicht unbedingt einen Bogen um Sodium Laureth Sulfate oder Sodium Pareth Sulfate machen.

Paraffine

Es gibt diese Wundermittel, die man aufträgt und danach sofort einen wahnsinnig schönen Glanz hat oder die Haut sich super geschmeidig anfühlt. In vielen Fällen enthalten diese Produkte Paraffine, was eigentlich Mineralöle sind. Sie zu erkennen ist nicht immer einfach, denn die Namen sehen ganz unterschiedlich aus: Paraffinum Liquidum, Cera Microcristallina, Microcrystalline Wax, Ozokerit, Ceresin, Petrolatum und sogar Vaseline gehören dazu.

Der ganz große Makel an den Paraffinen ist – neben der durchaus kritisch zu bewertenden Ökobilanz – ihr Verhalten auf der Haut. Denn die Geschmeidigkeit kommt daher, dass sich die Paraffine wie ein luftdichter Film auf die Haut legen. So kann diese nicht mehr atmen, wird trocken und spannt – weswegen man wieder cremt. Ein Teufelskreislauf. Zumal auch Keime und Bakterien sich unter dieser Schicht wunderbar vermehren und für Hautunreinheiten sorgen können.

Besser ist es also, Produkte zu wählen, die echte, hochwertige Pflanzenöle enthalten. Kokosöl ist beispielsweise eine sehr gute Alternative, die von den meisten Menschen auch vertragen wird. Alternativ kann auch Bienenwachs helfen.

Silikone

Sie kennt man lange Zeit schon aus Haarpflegeprodukten, aber auch Anti-Aging-Cremes: Silikone. Ursprünglich ebenfalls aus Erdöl hergestellt polstern diese kleinen Kunststoffpartikel Haut und Haare auf, glätten sie oder fixieren. In der INCI-Liste erkennt man sie meist gut an Endungen wie „-cone“ und „-xane“: Dimethicone, Methicone, Polysiloxane oder Cyclomethicone.

Doch auch ihre Wirkung ist meist mehr Schein als Sein. Denn sie legen sich wie ein Mantel über Haut und Haar, sodass die wirkliche Pflege eigentlich nicht mehr durchkommt. Das Resultat: Haare werden beschwert, die Haut quillt auf und trocknet aus, es entstehen Unreinheiten. Die natürlichen Prozesse der Haut werden also durch Silikone massiv beeinträchtigt. Zudem ist das Mikroplastik nicht biologisch abbaubar, gelangen darum ins Grundwasser und belasten so die Natur.

Kosmetik mit Silikonen zu meiden, ist also definitiv eine kluge Idee. Alternativen ist z.B. Neopentyl-Glycol-Diheptanoat (eine Mischung aus Alkohol und Traubenkern-Fettsäuren). Diese Stoffe haben winzige Löcher, durch welche die natürlichen Prozesse noch immer stattfinden können. Auch Hyaluronsäure ist eine tolle Variante, die Fältchen prima aufpolstert.

Emulgatoren und Tenside

Wasser und Fette sind wohl die häufigsten Bestandteile von Kosmetika. Doch eigentlich vertragen sich diese beiden Stoffe gar nicht miteinander. Es braucht sogenannte Emulgatoren, die dafür sorgen, dass sich die beiden dauerhaft miteinander vermischen. Sehr häufig übernimmt Polyethylenglykol (PEG) in Verbindung mit Fettalkohol diese Rolle. Andere Stoffe enden meist auf “-eth”, z.B. Ceteareth-8.

Hier liegt das Problem darin, dass von den Emulgatoren und Tensiden auch hauteigene Fette (die die Zellen brauchen) gebunden werden und beim nächsten Waschen ausgespült werden. So trocknet die Haut stark aus.

Die Lösung liegt in der Natur. Entweder man greift zu bereits erwähnten milden, natürlichen Tensiden, oder aber man schöpft aus der Wissenschaft und verwendet Phosphatidylcholin (PC). Dieser natürliche Stoff stammt ursprünglich aus der Zellmembran besteht und fungiert darum ebenfalls als Emulgator. Er behindert keine der natürlichen Vorgänge. In der Liste wird er meist unter Hydrogenated Lecithin oder Hydrogenated Phosphatidylcholine geführt.

Synthetische Duftstoffe

Man möchte gut riechen – verständlich. Aber die schiere Menge an häufig synthetischer Duftstoffe in Cremes und Co. ist eher ungünstig, denn sie dringt so in die Haut ein und führt dann zu Reizungen oder Allergien. Darum sollte man besser zu Produkten greifen, die nur wenig Parfum beinhalten oder gänzlich ohne sind. Dann lieber den Lieblingsduft nach der Pflege aufsprühen!

In der Inhaltsstoffliste finden sich die Duftstoffe übrigens meist am Ende unter dem Begriff “Parfum” oder “Fragrance”. Die Duftstoffe, die aber nachweislich am häufigsten zu allergischen Reaktionen führen, müssen einzeln ausgewiesen werden. Dazu gehört z.B. Alpha-Isomethyl Ionone, Benzyl Alcohol, Benzyl Salicylate, Citral, Citronellol, Geraniol, Hexyl Cinnamal, Linalool, Limonene.

Wie unterscheidet man gute Zutaten von schlechten?

Wer nicht gerade ein Studium in Biochemie absolviert hat oder selbst in der Kosmetikbranche arbeitet, wird wahrscheinlich bei der INCI-Liste an seine Grenzen stoßen. Nur wenige Begriffe sind für den Laien verständlich (z.B. “Aqua” für Wasser). Was kann man dann also tun, um sich vor schwierigen Zutaten zu schützen?

Eine Möglichkeit ist es, möglichst nur noch Produkte zu kaufen, die auch eine deutsche Liste angeben. Auch zertifizierte Naturkosmetik ist eine Variante. Hier sollte man sich aber unbedingt einmal mit den verschiedenen Labels auseinandersetzen. Denn inzwischen versuchen Konzerne ihre konventionellen Produkte mit ein, zwei Bio-Zutaten zu schönen und sie dann unter diesem Deckmäntelchen weiterlaufen zu lassen wie bisher.

Oder aber man bedient sich an technischen Hilfsmitteln. Da heutzutage fast jeder ein Smartphone besitzt, gibt es nämlich auch die Option, eine App einzusetzen. Die bekannteste ist wohl Codecheck, mit der man einfach nur den Barcode scannt und dann eine übersichtlich aufbereitete Darstellung der Inhaltsstoffe erhält und welche davon gut, mittelmäßig und schlecht sind. Ein Versuch ist es wert – denn unreflektiert weiter wahllos bei der Kosmetik zuzugreifen, könnte unter Umständen genau einen gegensätzlichen Effekt haben und uns alles andere als schöner machen.

Quellen
www.cosmopolitan.de/natuerliche-inhaltsstoffe
www.spiegel.de/…/stiftung-warentest-cremes-ohne-konservierungsstoffe-bleiben-keimfrei
www.beyer-soehne.de/mineraloele-silikone-schadstoffe-in-kosmetik/
www.wikipedia.org/wiki/Internationale_Nomenklatur_f%C3%BCr_kosmetische_Inhaltsstoffe
www.codecheck.info/

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